...und noch lange nicht genug!
Der Ausgangspunkt der bundesweiten Erfolgsgeschichte liegt in den Jahren 2015 und 2016. Breite Gruppen der Bevölkerung engagierten sich selbstorganisiert für die große Zahl an Geflüchteten, die nach Deutschland kamen. Aus diesem Engagement entstanden zahlreiche neue Initiativen und Vereine, um dem Engagement einen Rahmen zu geben. Die Motivation etwas in der Gesellschaft zu bewegen war hoch – gleichzeitig fehlte es jedoch an Erfahrungen in der Vereinsarbeit, bei der Fördermittelakquise und im Projektmanagement.
Das House of Resources (HoR) entstand als Antwort auf diese gesellschaftliche Entwicklung und startete an elf Standorten mit einem klaren Ziel: dieses zivilgesellschaftliche Engagement professionell zu unterstützen, nachhaltig zu stärken und langfristig zu verankern.
Das Konzept beruht auf vier integrierten Säulen:
– Empowerment: Nachhaltiger Aufbau von Kompetenzen, um die Organisation von engagierten Menschen oder Gruppen zu ermöglichen durch Fortbildungen im Non-Profit Bereich und intensive niederschwellige Beratung zu vereinsrelevanten Themen
– Mikroprojektförderung: Bereitstellung von finanziellen Mitteln für Mikroprojekte – ohne feste thematische Vorgaben oder starre Fördertermine
– Infrastruktur: Bereitstellung von Räumlichkeiten, Arbeitsplätzen und technischer Ausstattung zur Stärkung der eigenen Arbeit
– Vernetzung: Stärkung der Zusammenarbeit mit engagierten Initiativen, kommunalen Akteuren und Migrantenorganisationen
Zehn Jahre später sind aus den elf House of Resources 20 geworden, die sich in einem bundesweiten Netzwerk organisiert haben. Die Arbeit hat sich grundlegend gewandelt und das aus gutem Grund. Aus der akuten Flüchtlingshilfe ist ein zentrales Unterstützungsinstrument für migrantische Selbstorganisationen geworden. Diese Vereine engagieren sich in Bildung, Gesundheit, Familie, politischer Teilhabe, Kultur, Demokratieförderung und Antidiskriminierung. Sie wissen Integration endet nicht nach dem Deutschkurs oder mit dem ersten Job. Migrantisches Leben spielt sich nicht in den engen Grenzen von Sprache und Beruf ab. Migration war und ist Teil deutscher Geschichte und die Organisationen, die daraus entstehen, gestalten Gesellschaft aktiv mit. Genau diese Realität fängt HoR auf.
Dieser Fakt spiegelt eine wichtige Erkenntnis wider: Migration ist ein übergreifendes Thema, es betrifft alle Lebensbereiche. Migrantische Organisationen gestalten aktiv Gesellschaft mit. Sie setzen sich ein für bessere Bildungschancen und Gesundheitsversorgung, gegen Diskriminierung, für kulturelle Vielfalt und demokratische Werte. Sie sind Akteure des gesellschaftlichen Zusammenhalts und übernehmen Verantwortung für Bereiche, die alle Bürger*innen Deutschlands betreffen.
Die Stärke des House of Resources liegt nicht nur in den Zahlen. Sie liegt in der integrierten Verknüpfung der vier Säulen, in der schnellen Anpassung an neue Bedarfe und in der gezielten Stärkung von Organisationen durch praxisnahe, niedrigschwellige Angebote. Dieser Charakter von einer One Stop Agency macht das House of Resources Konzept einzigartig.
Deutschland verfügt über eine lange Tradition der Vereinskultur.
Vereine sind Orte der Selbstorganisation, demokratischen Teilhabe und der gesellschaftlichen Mitgestaltung. Auch migrantisches Engagement hat vielerorts eine lange Geschichte: Migrantische Selbstorganisationen, Initiativen und Vereine leisten seit Jahrzehnten wichtige Beiträge zum sozialen Zusammenhalt und zur gegenseitigen Unterstützung. Gleichzeitig war und ist ihre Entwicklung häufig von besonderen Hürden geprägt. Das House of Resources knüpft an beide Traditionen an und trägt dazu bei, bestehende Ungleichheiten zu verringern. Es pflegt und erweitert die Vereinskultur, indem es dafür sorgt, dass auch neu entstandene, migrantisch geprägte Organisationen selbstverständlicher Teil dieser Landschaft werden können. Indem es Zugänge öffnet, Barrieren abbaut, Qualifizierung ermöglicht und Wissen weitergibt.
Die 20 Standorte werden von unterschiedlichen Trägern getragen und bilden damit selbst die Vielfalt der Gesellschaft ab.
Die Standorte arbeiten unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. In Großstädten wie Berlin und Hamburg, in mittelgroßen Städten wie Halle und Dortmund, in ländlichen Regionen wie Greifswald oder Dresden und Umgebung. Überall sind die lokalen Herausforderungen anders. Doch überall sind die House of Resources nah dran: an den Vereinen, an den Communities, an den lokalen Realitäten. Sie kennen die Bedarfe vor Ort, sie verstehen die Dynamiken, sie wissen, was gebraucht wird.
Diese Trägerdiversität und lokale Verankerung sind Stärke und Alleinstellungsmerkmal. Die HoRs in Deutschland bringen so unterschiedliche Perspektiven, Netzwerke und weitreichende Kompetenzen für die Gestaltung der Gesellschaft ein, die durch das Bundesnetzwerk aufbereitet und gebündelt werden.
Angesichts globaler Krisen, steigender Herausforderungen für demokratische Teilhabe und zunehmender gesellschaftlicher Spaltung ist die nachhaltige Unterstützung zivilgesellschaftlicher Strukturen essenziell. Gerade in unsicheren Zeiten braucht Engagement verlässliche Strukturen, um Zugang zur Allgemeinheit und Mehrheit zu schaffen. Gerade wenn demokratiefeindliche Tendenzen erstarken, braucht es Orte der Begegnung, der Teilhabe, des Zusammenhalts.
Beständigkeit und Stabilität sind dabei entscheidend. Nur mit verlässlicher Infrastruktur können Organisationen nachhaltig wirken. Nur mit langfristiger Perspektive entsteht Vertrauen. Nur mit kontinuierlicher Unterstützung kann ehrenamtliches Engagement resilient und kreativ Herausforderungen begegnen.
Zehn Jahre House of Resources sind ein eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Diese Broschüre zeigt: Das House of Resources ist mehr als ein Projekt. Es ist ein aktives und gelebtes Netzwerk, eine unverzichtbare Infrastruktur und ein Instrument zur demokratischen Gestaltung der Gesellschaft. Sie zeigt die Vielfalt der Standorte, die Pluralität und Kreativität der unterstützten Organisationen und Projekte sowie die nachhaltige Wirkung der Arbeit.
Zehn Jahre sind noch lange nicht genug. Die Arbeit geht weiter. Denn eine lebendige, demokratische Gesellschaft braucht starke zivilgesellschaftliche Strukturen heute und in Zukunft.
In den folgenden Wochen stellen wir hier täglich einen HoR-Standort vor.
Das HoR-Bundesnetzwerk