Eine notwendige Investition in Teilhabe, Zusammenhalt und die demokratische Zukunftsfähigkeit
Resonanzboden // House of Resources (HoR) Magdeburg
Sachsen-Anhalt ist ein Land voller Gegensätze – geprägt von Brüchen, aber auch von Aufbrüchen. Nach Deindustrialisierung, Abwanderung und neuen Migrationsbewegungen stehen viele Regionen wie auch die Landeshauptstadt selbst vor großen Herausforderungen. Zugleich wächst mittendrin etwas Neues: Menschen mit internationaler Geschichte, lokale Initiativen und engagierte Netzwerke füllen Städte und Dörfer mit Leben.
Rassismus, Diskriminierung und soziale Ausgrenzung gehören für viele Menschen weiterhin zur Alltagserfahrung. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Wo zivilgesellschaftliche Netzwerke, postmigrantische Organisationen und lokale Initiativen gestärkt werden, entstehen Schutzräume, Solidarität und reale Teilhabe.
Das HoR Magdeburg versteht sich als Resonanzboden, der dem über das ganze Bundesland verteilten Geflecht aus Vereinen, Jugendclubs, Kulturorten und engagierten Einzelpersonen Ressourcen zur Verfügung stellt – damit sie sichtbar, handlungsfähig und dauerhaft wirksam sein können. Unter der Trägerschaft der .lkj) Sachsen-Anhalt verbindet das Projekt strukturelle Unterstützung für postmigrantische Organisationen mit Kultureller Bildung. Es setzt so genau dort an, wo demokratische Haltungen entstehen: in Beziehungen, Erfahrungen und gemeinsam gestalteten Räumen.
Kulturelle Bildung als Kernkompetenz
Das HoR Magdeburg ist eng mit seiner Trägerin verbunden: der .lkj) Sachsen-Anhalt, dem Dach- und Fachverband für kulturelle Kinder- und Jugendbildung. Kulturelle Bildung ist dabei kein ergänzendes Angebot, sondern eine zentrale Querschnittsaufgabe demokratischer Entwicklung. Sie stärkt Persönlichkeitsentwicklung, Urteilsfähigkeit und Selbstwirksamkeit – gerade dort, wo viele Integrationsmechanismen an ihre Grenzen kommen. Denn die Arbeit des HoR Magdeburg folgt nicht der Logik von Verwertbarkeit oder Defiziten. Sie setzt auf Erfahrung, Ausdruck und Begegnung. Im künstlerischen Tun – ob auf der Theaterbühne, am Mikrofon, im Zirkuszelt, in der Medienwerkstatt oder im Stadtteilprojekt – erfahren Menschen, dass ihre Perspektiven zählen. Sie lernen, Entscheidungen zu treffen, Konflikte auszuhalten, zu scheitern und neu zu beginnen. So entsteht Schritt für Schritt, ganz praktisch, das Fundament demokratischer Handlungskompetenz – und ein spürbares Vertrauen in die eigene Wirksamkeit.
Zukunftsinfrastruktur für eine demokratische Stadtgesellschaft
Das HoR Magdeburg verbindet kulturpädagogische Expertise mit praktischer Unterstützung: Beratung, Qualifizierung, Vernetzung und niedrigschwellige Förderung für Vereine, Initiativen und engagierte Einzelpersonen einer postmigrantischen Gesellschaft. So entstehen tragfähige Strukturen – Netzwerke, die bleiben, auch wenn Förderperioden enden.
Dritte Orte statt Anpassungsdruck
Ein zentrales Arbeitsprinzip sind sogenannte Dritte Orte: Jugendzentren, Kulturcafés, Nachbarschaftstreffs oder kreativ genutzte öffentliche Plätze. Diese Orte sind unverzichtbar, um Vielfalt im Alltag erfahrbar zu machen und Begegnung jenseits von Leistungsdruck und sozialer Kontrolle zu ermöglichen.
In Sachsen-Anhalt sind diese Orte besonders wichtig, weil sie oft zu den wenigen Räumen gehören, in denen Vielfalt im Alltag wirklich gelebt wird. Das HoR Magdeburg ist einer von vielen Akteuren und hat seinen Sitz im Forum Gestaltung. Dieser Ort ist kulturgeschichtlich bedeutsam und hat die Kunst-, Kultur- und Bildungsgeschichte Sachsen-Anhalts seit dem späten 19. Jahrhundert stark geprägt.
Kulturelle Bildung macht Demokratie hier vor Ort erfahrbar und stärkt Zugehörigkeit, Ambivalenz und Beteiligung. Dritte Orte schaffen damit Bedingungen, die Menschen zum Bleiben, Mitgestalten und Verwurzeln bewegen.
In einem Bundesland, das zunehmend von Polarisierung geprägt ist, ist diese Verbindung aus “Ressourcenhaus und Kultureller Bildung” weit mehr als ein Förderangebot – sie ist Zukunftsinfrastruktur. Sachsen-Anhalt braucht Orte wie das HoR Magdeburg: Orte, an denen Menschen – insbesondere junge – ermutigt werden, aktiv mitzugestalten. Sachsen-Anhalt braucht Orte wie das HoR Magdeburg dauerhaft – nicht nur projektbezogen. Eine Verstetigung über 2026 hinaus ist eine notwendige Investition in Teilhabe, Zusammenhalt und die demokratische Zukunftsfähigkeit des Landes.